Freitag, 23. November 2007

Arcor gibt Sex-Seiten wieder frei


Peinliche Aktion: Tagelang hatte Arcor seinen Kunden den Zugang auf YouPorn, PrivatAmateure und Sex.com verwehrt. Jetzt muss das Unternehmen klein beigeben. Denn der Porno-Filter war fehlerhaft – und siebte auch die Online-Auftritte von Unschuldigen aus.


Die technische Komplexität des Internets hat den Provider Arcor offenbar überrascht. Das Unternehmen wollte eigentlich nur die Seiten von Sex.com, Privatamateure.com und YouPorn.com sperren. Hintergrund: Die Hannoveraner Firma Kirchberg Logistik („Sexyfilms.de“) hatte Arcor darauf hingewiesen, dass die Wettbewerber keine Altersprüfung vornehmen. So seien Hardcore-Pornos auch Minderjährigen problemlos zugänglich.

Doch statt nur die Sexseiten auszusieben, erwischte Arcor auch viele andere Anbieter, darunter die Bollywood-Seite Barathstars, die Linux-Seite Linice, das Unternehmen Kabeltrax, die W-LAN-Initative Fon-City sowie den Industrial Ethernet Kongress. Grund für den Fauxpas: Arcor wollte die Sex-Seiten über die sogenannte IP-Adresse sperren, die für jeden Computer nur einmal vergeben wird. Dabei hatte das Unternehmen allerdings nicht bedacht, dass einige Großcomputer („Server“) mehrere Webseiten bereitstellen. Der US-Serverbetreiber GoDaddy hatte neben Pornos demnach auch unverfängliche Inhalte über dieselbe Adresse verschickt.
Die "Richtigen" erwischte Arcor nicht
Paradox: Die Sex-Anbieter hatten ihre IP-Adresse Ende vergangener Woche sowieso schon geändert. Arcor erwischte mit seiner Sperrung deswegen einzig die unverdächtigen Anbieter. Doch damit ist nun Schluss.
„Wir haben die Sperrung vollständig aufgehoben“, sagte Unternehmenssprecher Michael Peter WELT ONLINE. Der Filter habe nicht so funktioniert, wie er sollte. Peter räumte zudem ein, dass sich viele Kunden beschwert und Zensur-Vorwürfe erhoben hatten. „Es ging hier aber um rechtliche Aspekte, nicht um Inhalte“, so Peter.
Möglicherweise landet der Fall bald vor Gericht. Die Kirchberg Logistik hatte Arcor eine Unterlassungserklärung zugeschickt, um die Sperrung der Wettbewerber zu erwirken. Diese hatte Arcor nach eigenen Angaben nicht unterschrieben. Setzt sich Kirchberg Logistik durch, müsste sich Arcor wohl ein neues Filtersystem zulegen.
Arcor hat in Deutschland rund 2,4 Millionen Kunden. Die anderen deutschen Provider waren dem Aufruf der Kirchberg Logistik nicht gefolgt – bei ihnen waren die Sex-Seiten verfügbar